Fünf Jahre House of Resources Köln: Demokratie braucht starke Strukturen und Menschen, die sie gestalten
Köln. Wie gelingt gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer vielfältigen Stadt? Welche Rolle spielen migrantische Organisationen für Demokratie, Integration und Teilhabe? Und wie muss staatliche Förderung aussehen, damit zivilgesellschaftliches Engagement dauerhaft wirken kann? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Fachveranstaltung zum fünfjährigen Bestehen des House of Resources Köln, zu der Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammenkamen.
Bereits in seiner Eröffnungsrede machte der Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer, Prof. Dr. Matthias Hochgürtel, deutlich, dass Wissenschaft und Zivilgesellschaft keine getrennten Welten seien. Nachhaltige Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entstünden dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen miteinander verbunden werden. Hochschulen seien deshalb nicht nur Orte der Forschung und Lehre, sondern zugleich Partner einer lebendigen Zivilgesellschaft.
Auch Brigitta von Bülow, Bürgermeisterin der Stadt Köln, würdigte das House of Resources Köln als wichtigen Ort des demokratischen Austauschs. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung seien Räume notwendig, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam Lösungen entwickeln und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
Einen besonderen Akzent setzte Daniel Dwars, Vertreter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. In seinem Grußwort machte er deutlich, dass das House of Resources Köln weit mehr sei als ein Förderprojekt. Es sei eine tragende Infrastruktur für eine lebendige Demokratie. Besonders hob er hervor, dass das Kölner Modell bundesweit eine Besonderheit darstelle: Vier Trägerorganisationen arbeiten hier unter einem Dach zusammen und bündeln ihre Kompetenzen für die migrantische Zivilgesellschaft.
Dwars betonte, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht in Ministerien oder Behörden entstehe, sondern dort, wo Menschen sich begegnen, Verantwortung übernehmen und ihre Ideen verwirklichen können. Genau deshalb sei das Programm House of Resources geschaffen worden. Fördermittel sollten nicht an starren Verwaltungsstrukturen ausgerichtet sein, sondern möglichst nah an den tatsächlichen Bedarfen der Menschen vor Ort wirken.
Besonders würdigte er die Rolle des House of Resources Köln als Brücke zwischen staatlicher Förderung und lokalem Engagement. Sein Appell war eindeutig: Demokratie lebe von engagierten Menschen — und dieses Engagement brauche verlässliche Strukturen statt kurzfristiger Projektlogiken.

Wie aktuell diese Fragen sind, zeigte das anschließende Bühnengespräch zwischen Dorsa Billstein und Elizaveta Khan vom Integrationshaus e. V., die das House of Resources Köln vertrat. Khan wurde 2023 für ihr langjähriges gesellschaftliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bei der feierlichen Überreichung würdigte die damalige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ihre Arbeit mit den Worten, Khan stärke Menschen, die sonst keine Stimme hätten.
Im Bühnengespräch machte Khan deutlich, dass Migration kein Randthema, sondern seit jeher Teil der Menschheitsgeschichte sei. Migrantische Organisationen seien keine Zielgruppen staatlicher Politik, sondern aktive Gestalterinnen einer vielfältigen Gesellschaft.
Besonders kritisch setzte sie sich mit der bisherigen Förderpraxis auseinander. Demokratiearbeit, gesellschaftliche Teilhabe und politische Bildung dürften nicht dauerhaft in kurzfristige Projektförderungen gezwängt werden. Stattdessen brauche es langfristige Strukturförderungen, damit Organisationen nachhaltig wirken und professionell arbeiten könnten. Professionalität müsse dabei neu gedacht werden: Mehrsprachigkeit, Community-Nähe, interkulturelle Kompetenz und unmittelbare Kenntnis der Lebensrealitäten seien ebenso wichtige Qualitätsmerkmale wie formale Organisationsstrukturen.
Wie vielfältig, fachlich breit und kreativ migrantische Zivilgesellschaft in Köln arbeitet, wurde anschließend an den Projektinseln sichtbar. Dort stellten verschiedene Organisationen ihre Arbeit auf interaktive und niedrigschwellige Weise vor und luden die Teilnehmenden dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und konkrete Einblicke in ihre Praxis zu gewinnen.
Mit dabei waren die Anar Academy, Aliadas, Ageta e. V. gemeinsam mit Adili Network e. V., das GreenAgents Netzwerk gemeinsam mit dem Pamabzuka Swahili Kultur e.V. sowie der Deutsch-ukrainische Bildungs- und Kulturverein. Die Projektinseln zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Ansätze migrantischer Organisationen sind: von Bildungs- und Empowermentarbeit über Community-Organizing, Beratung und Vernetzung bis hin zu Nachhaltigkeit, Kultur, Teilhabe und politischer Bildung.
Gerade dieser Teil der Veranstaltung machte deutlich, dass migrantische Organisationen über umfangreiche Expertise, Zugänge und Gestaltungskraft verfügen. Sie kennen Bedarfe vor Ort, schaffen Vertrauen, übersetzen zwischen Lebensrealitäten und Institutionen und entwickeln Lösungen häufig dort, wo etablierte Strukturen Menschen nicht oder nur schwer erreichen. Ihre Arbeit ist damit nicht ergänzend, sondern zentral für eine demokratische und vielfältige Stadtgesellschaft.
Im weiteren Verlauf verband das MigraQuiz gemeinsam mit dem Podium Wissen, Austausch und Reflexion auf lebendige Weise. Auf spielerische und zugleich inhaltlich pointierte Art wurden Fragen rund um Migration, migrantische Selbstorganisation, gesellschaftliche Teilhabe und strukturelle Rahmenbedingungen aufgegriffen. Das Format schuf einen gemeinsamen Einstieg in Themen, die häufig komplex und politisch aufgeladen sind, und machte deutlich, wie wichtig Wissen, Perspektivwechsel und kritische Auseinandersetzung für eine rassismuskritische Demokratiearbeit sind.
Gestaltet wurde dieser Programmpunkt von Makosa e. V. gemeinsam mit dem Bundesverband ukrainischstämmiger Familien, Senioren, Frauen und Jugendlichen e. V. Im Zusammenspiel von Quiz und Podium kamen unterschiedliche Perspektiven aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Mit dabei waren Daniel Dwars vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Eden Araya-Gabriel vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Köln, Jonas Höltig aus der Bezirksvertretung Köln-Mülheim, Andreas Rebmann von Fonds auf Augenhöhe sowie Markus Priesterath, Senior Berater Engagementpolitik im Bundesministerium des Innern. Gemeinsam diskutierten sie Erfahrungen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven migrantischer Organisationen sowie Fragen nach Anerkennung, Beteiligung auf Augenhöhe, struktureller Förderung und der Notwendigkeit, migrantische Expertise von Beginn an in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, welche herausragende Bedeutung das House of Resources Köln in den vergangenen fünf Jahren für die Kölner Zivilgesellschaft entwickelt hat. Getragen von den vier Trägerorganisationen Migrafrica gGmbH, Integrationshaus e. V., Coach e. V. und Jama Nyeta gGmbH unterstützt das House of Resources jährlich Hunderte migrantische Vereine, Initiativen und engagierte Einzelpersonen durch individuelle Beratung, Qualifizierungsangebote, Mikroprojektförderungen, die Bereitstellung von Infrastruktur sowie gezielte Vernetzung. Dadurch entstehen nicht nur neue Projekte und stärkere Organisationen, sondern auch nachhaltige Beteiligungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten für Menschen, die das gesellschaftliche Leben in Köln aktiv prägen.
Die zentrale Botschaft der Veranstaltung war eindeutig: Demokratie entsteht nicht allein durch politische Entscheidungen, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Damit dieses Engagement wirken kann, braucht es verlässliche Partner, langfristige Strukturen und den politischen Willen, zivilgesellschaftliche Arbeit dauerhaft zu stärken.
Das House of Resources Köln hat in den vergangenen fünf Jahren gezeigt, wie genau das gelingen kann: als Ort der Begegnung, des Empowerments und der demokratischen Mitgestaltung — getragen von migrantischen Organisationen, die nicht nur Teil der Stadtgesellschaft sind, sondern sie aktiv, professionell und kritisch mitgestalten.
